„Milch macht müde Männer munter!“, oder doch nicht?

Hat Dein Test momentan Reaktionen auf Milch oder Milchprodukte gezeigt? Wenn das so sein sollte, erfährst Du jetzt, welche Produkte gemeint sind, welche Alternativen es gib und, worin sie noch verarbeitet sind.

In Kürze das Wichtigste!

Bei Deinem Test haben wir das Milcheiweiß – das sogenannte Casein – getestet. Wenn hier eine Reaktion vorliegt, verträgst Du momentan dieses Milcheiweiß (-protein) nicht gut. Vielleicht hast Du schon von einer Laktose-Intoleranz gehört, die hat damit allerdings nichts zu tun. Bei der Laktose handelt es sich um den Milchzucker. Beim Casein um das Milcheiweiß. Wenn Du die Unterschiede besser verstehen möchtest, findest Du eine Übersicht bei unserem Hintergrundwissen.

Welche Produkte sind gemeint, wenn Du auf Casein reagierst?

  • Butter, Ghee
  • Sahne, Rahm
  • Joghurt
  • Buttermilch, Dickmilch, Kefir, Ayran, Lassi
  • Quark
  • Molke
  • Labkäse & Sauermilchprodukte

Was versteht man unter Labkäse & Sauermilchprodukten?

Labkäse (Kuhmilch)

  • Weichkäse: Brie, Camembert de Normandie, Chaource, Gorgonzola, Herve, Langres, Limburger, Livarot, Maroilles, Mont d‘Or, Munster, Neufchatel, Pont-l‘Evêque, Romadur
  • Schnittkäse: Asiago d‘Allevo, Cheddar, Chesire, Edamer, Esrom, Fourme d‘Ambert, Greve, Gruyère, Gouda, Havarti, Herrgardost, Jarlsberg, Leerdammer, Salers, Samsø, Stilton, Svecia, Trappistenkäse
  • Halbfeste Schnittkäse: Bleu d‘Auvergne, Butterkäse, Edelpilzkäse, Mahón-Menorca, Passendale, Saint-Nectaire, Steilbuscher, Tetilla, Tilsiter, Tollenser, Weißlacker, Wilstermarsch
  • Hartkäse: Abondance, Allgäuer Bergkäse, Appenzeller, Beaufort, Comté, Emmentaler, Grana Padano, Montasio, Parmigiano Reggiano (Parmesan), Raclettkäse, Reblochon de Savoie, Sbrinz, Tête de Moine
  • Filata-Käse: Mozarella, Provolone valpadana

Sauermilchprodukte (Kuhmilch)

  • Sauermilch-Getränke: Buttermilch, Joghurt, Molke, Quark
  • Sauermilch-Käse: Bauern-Handkäse, Harzer Handkäse, Harzer Korbkäse, Harzer Stangenkäse, Mainzer Käse, Olmützer Quargel, Tiroler Graukäse

Diese Nahrungsmittel kann man leicht im Auge behalten. Milch wird aber auch in vielen Nahrungsmitteln und Getränken verarbeitet, bei denen man dies auf Anhieb nicht vermuten würde.

Achte daher auch auf folgende Produkte:

Wurst: vor allem helle Sorten, Brühwürste

Produkte auf Milchbasis: Sahne, Crème fraîche, Kaffeesahne, Kondensmilch, einige Mayonnaisesorten

Verarbeitete Produkte: mit folgenden Bezeichnungen auf der Inhaltsstoffliste: Milchpulver, Magermilchpulver, Molkenprotein, Kasein, Kaseinate, Milcheiweiß, Lactalbumin oder Lactoglobulin

Fertigprodukte: Soßen, Desserts, Kartoffelpüree, Bratkartoffeln, Pommes frites (werden zum Bräunen mit Milch übersprüht), Brotaufstriche, Nuss-Nougat-Creme

Fertiggerichte: aus der Tiefkühltruhe, Dose oder Tüte

Fastfood

Nahrungsergänzungsmittel: Trinknahrung, Sportlernahrung Hinweis: der Verzehr von Colostrum ist möglich, da im  Herstellungsprozess die Milchproteine entfernt werden

Molkedrinks: beliebt an Fitnessstudio-Bars und in der Sauna

Proteinshakes: meist zum Abnehmen oder zum Muskelaufbau  (Inhaltsstoff: Kasein oder Casein)

Wasser mit Zusatz: in manchen Wasser-Misch-Getränken (Inhaltsstoffliste lesen!)

Kantinenessen, Restaurantessen: Soßen an Fleisch, Fisch, Aufläufen, Salaten, Desserts, Backwaren mit Creme, Pfannkuchen/Kaiserschmarrn etc.

Kleiner Hinweis:

Nahrungsmittel, die als Zusatz „Laktose“ oder „Milchzucker“ enthalten, sind unproblematisch und können gegessen werden, es sei denn:

  • Du weißt sicher, dass Du eine Laktose-Intoleranz hast und meidest daher solche Produkte
  • die Nahrungsmittel enthalten zusätzlich Milchproteine

Hier findest Du eine Menge Alternativen:

Milch-Alternativen

  • Kokosmilch
  • Sojamilch (auf Zusätze achten, Etikett lesen)
  • Nussmilch, vor allem aus Haselnuss, Mandel: im Supermarkt erhältlich (auf Zusätze achten, Etikett lesen) oder selbstgemacht (vgl. Rezepte in veganen oder Paläo-Kochbüchern)
  • Erdmandelmilch: in Spanien und auf den kanarischen Inseln ein typisches Getränk („Horchata“). Die Erdmandel ist keine Nuss oder Mandel, daher auch für Nussallergiker geeignet. Erdmandelmilch kann man selbst herstellen (vgl. Rezepte in veganen oder Paläo-Kochbüchern)
  • Milchalternativen aus Getreiden: Reismilch (glutenfrei), Haferdrink

Butter-Alternativen

  • Milchfreie Margarine (möglichst frei von/arm an Transfetten)
  • Pflanzenöle (kaltgepresst), z. B. Kokosöl
  • Reines Schmalz (kein Butterschmalz)
  • Tomatenmark auf Brot unter herzhaftem Belag wie Schinken oder Wurst
  • Senf (auf die Zutatenliste achten!) auf Brot unter herzhaftem Belag wie Schinken oder Wurst
  • Meerrettich (auf die Zutatenliste achten!) auf Brot unter herzhaftem Belag wie Bratenaufschnitt
  • Oliven-Paste (auf die Zutatenliste achten!) auf Brot unter herzhaftem Belag wie Salatblätter, Tomate, Paprika

Joghurt-, Sahne-, Quark-, Käse-Alternativen

  • Sojajoghurt
  • Soja-Sahne
  • Pflanzenschlagsahne (vegane Produkte)
  • Tofu (aus Sojabohne) als Quarkersatz
  • Räucher-Tofu als Käseersatz

TIPP: In Kochbüchern zu veganen oder Paläo-Ernährung finden sich viele leckere Rezepte.

Kakaogetränke-, Schokolade-Alternativen

  • Carobpulver
  • Schokolade ohne Milchanteil (in der Regel ab 65% Kakaoanteil)

„Knochenhärter“ Milch

Da Milch unter anderem Calcium enthält, liegt der Verdacht nahe, dass man nur Milcherzeugnisse zu sich nehmen muss, um den Knochen etwas Gutes zu tun. Wie vieles im Leben ist das nicht so einfach. Um Calcium in den Knochen einzubauen braucht es zum Beispiel auch Vitamin D, unser Sonnenvitamin. Solltest Du jetzt weniger oder keine Milchprodukte mehr zu Dir nehmen, müssen Deine Alarmglocken aber nicht schrillen. Die Mehrheit der Weltbevölkerung trinkt keine Milch und hat trotzdem starke Knochen. Hülsenfrüchte, Gemüse und Kräuter sind ebenfalls sehr gute Calciumlieferanten.

Milch und Milchprodukte

TIPP: Calcium ist wasserlöslich. Verwende daher das Kochwasser von Gemüse zur weiteren Zubereitung, zum Beispiel von Saucen.

„Milch macht müde Männer munter!“

Wahrscheinlich kennst Du diesen Slogan. Er wurde in den 80er Jahren von der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) ins Leben gerufen, um die Milchwirtschaft anzukurbeln. Damit hat die Agentur ganze Arbeit geleistet, da sich dieser Slogan wirklich in vielen Köpfen eingebrannt hat. Aber was ist dran? Leider nicht viel! Milch enthält Tryptophan, welches sich schlaffördernd auf den Körper auswirkt. Also – Milch macht müde Männer noch müder! Das Glas Milch mit Honig am Abend zu Beruhigung hat da eher seine Berechtigung….